Interview-Transkript: KI im Mittelstand – Prof. Dr. Daniel Sonnet im Gespräch mit Jürgen Scherer
Wie können mittelständische Unternehmen Künstliche Intelligenz sinnvoll, sicher und mit erkennbarem Nutzen einsetzen? Im rund 20-minütigen Gespräch für das KI-Syndikat spricht Prof. Dr. Daniel Sonnet mit Jürgen Scherer über KI-Kompetenz, interne Wissenssysteme, den Wert von Domänenwissen, pragmatische KI-Projekte sowie Datenschutz und technische Infrastruktur.
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Von Maschinenbau, Informatik und drei Jahrzehnten Digitalisierung
Prof. Dr. Daniel Sonnet: Lieber Jürgen, heute Morgen habe ich in den Kalender geschaut und gesehen, dass wir uns für ein Interview verabredet haben. Das hat mich gefreut. Wir kennen uns ja auch über das KI-Syndikat. Du bist dort Mitglied und wirklich erfahren in der IT-Branche. Insofern finde ich es spannend, mich heute mit dir über KI zu unterhalten. Stell dich doch zunächst einmal kurz vor: Was macht den Jürgen aus und wie bist du zum Thema KI gekommen?
Jürgen Scherer: Zunächst vielen Dank, Daniel. Für mich ist die Teilnahme an diesem Expertennetzwerk eine große Ehre. Das ist alles noch jung, aber ich freue mich enorm darüber, was da gerade entsteht.
Ich selbst komme ursprünglich aus dem Maschinenbau. Das habe ich zunächst als Lehre gemacht und später auf dem zweiten Bildungsweg studiert. Danach kam die Informatik dazu – das war der Dotcom-Welle geschuldet.
1998 habe ich mich mit meiner Agentur selbstständig gemacht. Seitdem begleiten wir Handwerksbetriebe und mittelständische Unternehmen auf dem Weg durch die unterschiedlichen Wellen der Digitalisierung. Als wir angefangen haben, waren noch Modems im Einsatz, die hörbar ihre Verbindung aufgebaut haben. Dann kam das Web, später das Mitmachweb, bei dem aus Konsumenten auch Produzenten von Inhalten wurden. Danach kamen Mobile Web, Social Media und Cloud.
Corona hat nochmals vieles auf den Kopf gestellt und war ein Brandbeschleuniger für die Digitalisierung, insbesondere durch Homeoffice. Und jetzt kommt KI als nächste große Welle. Irgendjemand von Google hat sinngemäß gesagt: Da kommt ein Tsunami – man kann abwarten oder sich ein Surfbrett nehmen und mitschwimmen. So ist mein Hintergrund.
Prof. Dr. Daniel Sonnet: Absolut. Es gab ja auch einmal die Propheten, die gesagt haben, das Internet gehe wieder weg. Bei KI werden wir das auf keinen Fall sehen. Sie ist gekommen, um zu bleiben.
Domänenkompetenz und Erfahrung als Grundlage
Prof. Dr. Daniel Sonnet: Du hast gerade deinen Maschinenbau- und Informatikhintergrund erwähnt. Du machst seit vielen Jahren digitale Projekte. Wie prägt dieser Hintergrund deinen Blick auf KI-Projekte im Mittelstand?
Jürgen Scherer: Im Maschinenbau ging es damals wie heute darum, Lösungen zu bauen, die Unternehmen dabei helfen, ihre Ziele zu erreichen. Darin sehe ich die große Verbindung zu dem, was heute passiert: Firmen Lösungen an die Hand zu geben, sie auf neue Entwicklungen vorzubereiten und sie dabei mitzunehmen.
Natürlich sind digitale Strukturen, Ausrichtungen und Wirkungsweisen völlig anders. Aber insgesamt hilft mir dieser Hintergrund sehr. Ich bin ein Freund von Domänenkompetenz. Jeder Mensch besitzt durch seinen Beruf und seine Erfahrungen Felder, in denen er sich sehr gut auskennt. Vielleicht kommt über Sport noch ein zweites Feld dazu und über weitere berufliche Erfahrungen ein drittes.
Je mehr dieser Domänenfelder zusammenkommen, desto produktiver kann ein Mensch werden. Je mehr man weiß und je mehr Felder man bestellen kann, desto mehr Hebel kann man betätigen.
Deshalb zahlen die vielen Jahre Erfahrung und die vielen Projekte, die wir gelöst haben, darauf ein, neue Vorhaben besser einordnen zu können: Wird ein Projekt funktionieren? Hat es Aussicht auf Erfolg? In welchem Zeitraum lässt es sich umsetzen? Wo liegen die Stolpersteine? Da helfen Erfahrung und Expertise enorm.
Das KI-Syndikat als fachlicher Resonanzraum
Prof. Dr. Daniel Sonnet: Expertise ist ein gutes Stichwort. Du bist mit deiner Expertise im Expertennetzwerk des KI-Syndikats aktiv. Welchen konkreten Nutzen hat diese fachliche Vernetzung mit Menschen aus anderen Disziplinen für dich und speziell für die Arbeit mit mittelständischen Unternehmen?
Jürgen Scherer: Das hat mehrere Ebenen. Die größte ist sicherlich, dass KI so schnelllebig ist und so viele Teilbereiche umfasst, dass man sie allein weder tief noch breit genug verfolgen kann. Ich habe schon damit zu tun, den Newsstream zu filtern und zu schauen: Was ist für den Mittelstand interessant? Was könnte man wo sinnvoll umsetzen?
Darüber hinaus kommen ganz unterschiedliche Blickwinkel zusammen. Menschen aus der Juristerei betrachten ein Thema anders als jemand aus der praktischen Anwendung, aus dem Data Engineering oder aus der Softwareentwicklung.
Für mich ist das KI-Syndikat deshalb eine Art Resonanzraum: ein Raum, in dem man Rückhalt findet, sich fachlich abgleichen und abstimmen kann und immer wieder zusätzliche Expertise hineinholt. Man kann fragen: Leute, wie seht ihr das?
Das ist für mich der große Vorteil. Ich beschreibe klassische IT gerne als Werkzeugkasten: Je mehr man kennt, desto mehr Werkzeuge kann man für unterschiedliche Aufgaben auswählen. Was wir bei KI erleben, ist für mich dagegen eher eine Maschinenhalle. Niemand weiß genau, wo die Entwicklung hingeht. Man sieht nur, dass sie rasant ist und dass große wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen auf uns zukommen.
Dazu kommen Fragen, die weit über einzelne Werkzeuge hinausgehen: Was passiert gesellschaftlich, wenn Tätigkeiten und Berufsbilder durch KI verändert werden? Welche Auswirkungen hat das auf jüngere Menschen und auf Arbeitsplätze? Schon daran sieht man, wie viele Bereiche zusammenkommen.
Diese Themen kann man allein kaum bewältigen. Der Denkraum muss erweitert werden. Ein Expertennetzwerk von Menschen, die unvoreingenommen und ohne Berührungsängste miteinander kommunizieren, ist dafür ein enormer Gewinn.
Prof. Dr. Daniel Sonnet: Das sehe ich genauso. Kooperation macht einen an dieser Stelle besser und wettbewerbsfähiger. Man muss nicht immer jeder gegen jeden arbeiten, sondern kann akzeptieren: Ich bin in einem Bereich gut, jemand anderes in einem anderen – und gemeinsam sind wir ein gutes Team.
Genau das verfolgt auch unsere Idee. Im KI-Syndikat kommen unter anderem Juristerei, Data Engineering, Programmierung, agentische Systeme, Strategie, KI-Zielsetzung und Use-Case-Priorisierung zusammen. Daraus entsteht das Gesamtpaket.
KI-Kompetenz vor Tool-Wildwuchs
Prof. Dr. Daniel Sonnet: Gerade im Mittelstand und im größeren Handwerk sind die Chancen, mit KI etwas zu machen, enorm. Gleichzeitig habe ich den Eindruck, dass viele Geschäftsführende unter Druck stehen und glauben, der Zug laufe bereits. Wie schätzt du das realistisch ein? Wo liegen die besten Chancen für diese Gruppe?
Jürgen Scherer: Der erste Ansatz ist für mich, Struktur hineinzubringen. Gerade jetzt, wo der EU AI Act in die praktische Anwendung kommt, ist es höchste Zeit dafür.
Ein großer Anteil der Mitarbeitenden arbeitet ohnehin bereits in irgendeiner Form mit KI – privat oder beruflich. Deshalb sollte man zunächst diesen Tool-Wildwuchs bändigen und den Mitarbeitenden KI-Kompetenz vermitteln.
Das ist eine der großen Herausforderungen von KI: Sie gibt immer eine Antwort. Wenn man sich außerhalb der eigenen Domänenkompetenz bewegt, kann man fachlich oft nicht mehr zuverlässig beurteilen, was da zurückkommt. Es klingt plausibel – ob es wirklich stichhaltig ist, weiß man damit noch nicht.
Im Gespräch habe ich dafür zwei Beispiele genannt: aus dem Datenschutz, wo ich im Vorjahr deutlich mehr Verstöße wahrgenommen hatte, und aus der juristischen Praxis. Aus dem Netzwerk kannte ich Fälle mit sehr umfangreichen, auf den ersten Blick glaubhaften Schriftsätzen, in denen erfundene Urteile oder nicht tragfähige Argumente auftauchten. Das sind nicht zwingend die typischen Probleme eines Handwerksbetriebs oder Mittelständlers – sie zeigen aber die Fallhöhe, wenn plausibel klingende KI-Ausgaben ungeprüft übernommen werden.
Deshalb wäre für mich der erste große Hebel nicht, nach dem nächsten Tool zu suchen. Zunächst sollte KI-Kompetenz ins Unternehmen kommen. Mitarbeitende brauchen klare Leitplanken: Womit arbeiten wir? Welche Erfahrungen sammeln wir? Wie tauschen wir uns darüber aus? Solche Briefings halte ich für sehr sinnvoll.
Der zweite Punkt ist: Holt Expertise ins Haus. Die Auswirkungen, die wir bereits sehen, sind groß, und die Entwicklung bleibt volatil. Ich würde deshalb nicht jedem neuen Tool hinterherlaufen, sondern zunächst tragfähige Einsatzfelder suchen.
Interne Wissenssysteme als pragmatischer Hebel
Jürgen Scherer: Was sich bei vielen Firmen, die wir betreuen, bereits bewährt hat, sind interne Wissenssysteme. Es handelt sich häufig um inhabergeführte Unternehmen, die über viele Jahre oder Jahrzehnte sehr viele Informationen angesammelt haben.
Ein sinnvoller erster Schritt besteht darin, diese Dokumente zu strukturieren und zu kuratieren und daraus eine interne Wissensbasis aufzubauen. Dabei ist für mich wichtig, dass dieses Wissen kontrolliert bleibt: ohne unnötigen Datenabfluss nach außen, ohne dass Wettbewerber darauf zugreifen können und ohne dass die Inhalte für fremdes Modelltraining verwendet werden.
Darauf kann ein interner Wissensassistent aufsetzen. Der Hebel ist groß, weil man Dinge, die bereits erledigt wurden, besprochene Fälle, vorhandene Lösungsansätze und frühere Erfahrungen wesentlich schneller wiederfinden und nutzen kann.
Darüber hinaus muss man für jedes Unternehmen individuell schauen, welche weiteren Bereiche sich sinnvoll mit KI unterstützen lassen. Der KI-Chatbot ist für mich nicht automatisch das oberste Ziel. Gerade im unmittelbaren Kundenkontakt würde ich sehr genau prüfen, ob KI wirklich die richtige Lösung ist. Dort wird am Ende Geld verdient.
Gleichzeitig würde ich nicht versuchen, diese Entwicklung einfach vorbeiziehen zu lassen. KI wird nicht wieder verschwinden, sie wird größer werden – und die Auswirkungen kann heute niemand vollständig beurteilen.
Deshalb sollte man Kompetenz intern aufbauen oder extern verfügbar halten. Ich sehe nicht zwingend den Bedarf für eine eigene KI-Abteilung analog zu einer klassischen EDV-Abteilung. Aber Unternehmen sollten Zugriff auf kompetente Ansprechpartner haben.
Häufig ist der erste Schritt tatsächlich eine Schulung: Wo liegen die Gefahren? Wo liegen die Hebel? Welche Möglichkeiten gibt es mit KI, die ohnehin bereits genutzt wird?
Viele Tätigkeiten und Arbeitsschritte können durch ein zusätzliches KI-Werkzeug deutlich erleichtert werden – aber nur, wenn man weiß, wie man damit arbeitet. Wenn man auf einer Baustelle eine Kreissäge in die Hand bekommt, wird ihre Benutzung ebenfalls erklärt. Bei KI glauben viele, sie verstünden sie von Haus aus. Dabei gibt es zahlreiche Kniffe, Maßnahmen und Leitplanken, die man kennen sollte, um wirklich gut damit arbeiten zu können.
Und danach gilt immer: Was macht die konkrete Firma und wo liegt ihr tatsächliches Potenzial? Das lässt sich nicht pauschal aus einem allgemeinen Tool-Katalog beantworten.
Prof. Dr. Daniel Sonnet: Genau. Zuerst muss das Ziel klar sein. Danach schaut man, welche Maßnahmen dorthin führen. Wenn es mehrere Use Cases gibt, müssen sie priorisiert und in eine sinnvolle Reihenfolge gebracht werden.
KI-Projekte pragmatisch beginnen
Prof. Dr. Daniel Sonnet: Wenn das Ziel grundsätzlich klar ist und ein mittelständisches Unternehmen KI ernsthaft angehen möchte, aber weder in Aktionismus noch in endlosen Konzepten gefangen sein will: Was würdest du aus deiner praktischen Arbeit heraus empfehlen? Wie kann man wirklich ganz praktisch loslegen?
Jürgen Scherer: Ich habe es gerne, wenn ich ein Unternehmen zunächst verstehe. Das bedeutet nicht, dass ich bis ins letzte Detail durchdringen muss, was die Firma macht. Aber ich möchte wissen, wo die bremsenden Stellen liegen und wo man am meisten hebeln kann.
Ich suche nach dem größten Hebel. Damit meine ich nicht das größte oder spektakulärste Projekt, sondern etwas, das relativ schnell, zeitnah und ohne unverhältnismäßigen Aufwand einen erkennbaren Nutzen bringen kann.
Eine der obersten Prioritäten ist für mich, die Mitarbeitenden mitzunehmen. KI ist auch eine gesellschaftliche Entwicklung. Die Menschen im Unternehmen sollten von Anfang an einbezogen werden. Man muss ihnen die Angst nehmen, dass da etwas passiert, an dem sie künftig nicht mehr teilhaben dürfen. Wenn fünf Leute ins Pedal treten und drei auf die Bremse, kommt man als Team nicht sinnvoll voran.
Deshalb würde ich die Mitarbeitenden früh einbeziehen und mit ihnen durch die tatsächlichen Abläufe gehen. Ich kenne das Beispiel eines Programmierers, der seinen eigenen Betrieb systematisch betrachtet hat. Er wusste vorher gar nicht im Detail, was die Kolleginnen und Kollegen den ganzen Tag tun. Also hat er mit ihnen gesprochen, sich die Abläufe angesehen und gemeinsam nach Möglichkeiten gesucht. Das halte ich für ein sehr pragmatisches Vorgehen.
Noch einmal: Der größte Hebel ist nicht das größte Projekt. Der größte Hebel ist das Vorhaben, das relativ schnell und ohne unverhältnismäßige Kosten einen spürbaren Erfolg verspricht. Dort würde ich ansetzen und gezielt Expertise hinzuholen.
Es geht immer darum, die Firma und den Unternehmer zu verstehen: Wo will das Unternehmen hin? Welche Ziele und Rahmenbedingungen gibt es? Wenn man dieses Themenfeld verstanden hat, kann man auch als Externer besser beurteilen: Da haben wir etwas gefunden, mit dem wir beginnen können.
Danach würde ich ein ausführliches Briefing machen. Je besser die Vorarbeit, desto weniger Stolperstellen gibt es später. Anschließend sollte man pragmatisch und iterativ vorgehen: prüfen, verbessern, nachbauen und wieder prüfen. Wenn Mitarbeitende, Externe und Unternehmensleitung am Ende gemeinsam sagen: „Das hat sich gelohnt“, ist ein wichtiger Meilenstein für die nächsten Projekte erreicht.
Erfahrung, Datenschutz und Infrastruktur zusammendenken
Prof. Dr. Daniel Sonnet: Du bist Teil des Expertennetzwerks und manche Projekte brauchen unterschiedliches Know-how. Wir treten gerne gemeinsam als KI-Syndikat an. Was sind deine Themen? Wofür stehst du und wofür bist du ansprechbar? Und gibt es Bereiche, bei denen du sagst: Dafür bin ich nicht der Richtige?
Jürgen Scherer: Zunächst einmal von der Größe her: Meine Agentur besteht aus fünf Personen. Damit können wir sehr viel bewegen, sind aber naturgemäß begrenzt. Unser Schwerpunkt liegt auf kleinen und mittelständischen Unternehmen. Projekte bei Unternehmen mit etwa 500 Mitarbeitenden können wir noch gut begleiten; wir haben auch ein Unternehmen mit rund 800 Mitarbeitenden im Kundenkreis. Darüber hinaus würde ich bei größeren Vorhaben auf das Netzwerk zurückgreifen – nicht wegen fehlender fachlicher Kompetenz, sondern weil solche Projekte personell getragen werden müssen.
Fachlich sehe ich bei mir eine Art Triangulation aus drei Kernbereichen. Der erste Bereich ist die praktische Erfahrung aus sehr vielen Projekten, die über Jahrzehnte zusammengekommen ist.
Der zweite Bereich ist Datenschutz. Intensiver beschäftige ich mich damit seit etwa 2012. Das entstand nicht aus einem abstrakten Interesse, sondern aus einem konkreten Bedarf unserer Kunden. Sie wurden zunehmend mit datenschutzrechtlichen Forderungen und teilweise auch mit sehr offensiv auftretenden Dienstleistern konfrontiert.
Als 2018 die DSGVO anwendbar wurde, war qualifizierte externe Unterstützung für viele kleinere Unternehmen schwer verfügbar. Anwaltskanzleien konnten die rechtliche Seite abdecken, sicherten sich aber naturgemäß gegenüber technischen Detailfragen ab. Aus diesem Bedarf heraus habe ich entschieden, das Thema selbst fachlich aufzubauen, um für unsere Kunden ein belastbares Gegenüber zu schaffen. Später kam die Qualifikation als Datenschutzauditor hinzu.
Gerade bei KI-Systemen halte ich den technischen Blick für besonders wichtig. Konstrukte, die heute teilweise sehr schnell – etwa mit Vibe-Coding-Ansätzen – aufgesetzt werden, muss man sorgfältig prüfen: Wohin gehen Daten? Wo werden sie gespeichert? Wo können Datenabflüsse entstehen? Welche technischen Risiken sind zu erwarten?
An dieser Stelle ist ein Jurist für mich nicht die einzige oder immer die erste Instanz. Viele dieser Fragen muss zunächst ein Techniker nachvollziehen können – idealerweise auch einmal mit einem externen Blick: Wie ist das System aufgebaut? Wohin fließen Daten? Wo liegen mögliche Schwachstellen? Diese technische Prüfung ist für mich ein wichtiges zweites Standbein der Datenschutzaudit-Praxis.
Der dritte Bereich ist Cyber- und Informationssicherheit. Wir sind seit Jahrzehnten eigenständiger Provider und betreiben eigene Netze und Serverumgebungen tatsächlich „in the wild“. Dabei ist sehr viel praktisches Know-how entstanden – von Windows NT, das heute kaum noch jemand kennt, bis zu aktuellen Windows-Server-Systemen. Daneben arbeite ich besonders gerne mit Open Source und Linux.
Diese Verbindung aus langjähriger Projektpraxis, Datenschutz, technischer Prüfung und Infrastruktur halte ich für stark. Dort sehe ich mich fachlich zu Hause. Gleichzeitig bin ich aufgrund unserer Agenturgröße bewusst größenmäßig limitiert. Wenn ein Projekt darüber hinausgeht oder Spezialwissen benötigt, würde ich auf das Netzwerk des KI-Syndikats zurückgreifen.
Prof. Dr. Daniel Sonnet: Vielen Dank. Windows NT habe ich auch schon lange nicht mehr gehört. Aber das zeigt, dass du schon einige Jahre im Geschäft bist und weißt, worüber du sprichst. Jürgen, vielen Dank. Es hat mir Freude gemacht, mich mit dir über diese unterschiedlichen Aspekte zu unterhalten.
Jürgen Scherer: Ich danke dir. Vielen Dank.
Hinweis zum Transkript
Das Gespräch wurde am 9. Juli 2026 für das KI-Syndikat geführt und auf dessen YouTube-Kanal veröffentlicht. Grundlage dieser Seite ist ein automatisiert erzeugtes Transkript, das anschließend redaktionell geglättet wurde.
Dabei wurden insbesondere Füllwörter, erkennbare Transkriptionsfehler, Wiederholungen und abgebrochene Satzanfänge bereinigt. Die fachlichen Aussagen, Positionen und die Reihenfolge des Gesprächs wurden nicht nachträglich inhaltlich erweitert.
Das Interview war ein freies Gespräch. Spontan genannte Beispiele, Zahlen oder zeitliche Einordnungen werden hier als Gesprächsaussagen dokumentiert und sind nicht als nachträglich recherchierte Faktendarstellung zu verstehen.
Maßgebliche Primärquelle bleibt das Originalinterview auf dem YouTube-Kanal des KI-Syndikats .
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